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05.04.2017 14:22

HIT-Netzwerktagung

Neuigkeiten zur Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumorerkrankungen

Auf dem Campus Virchow-Klinikum der Charité in Berlin fand am 31.03. und 01.04.2017 die 15. Jahrestagung des bundesweiten Behandlungsnetzwerkes HIT für Kinder und Jugendliche mit Hirntumoren statt. Neben den Experten der Behandlungs- und Forschungsteams setzte sich das insgesamt mehr als 200 Teilnehmer umfassende Fachpublikum aus Ärzten, Psychologen, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Pflegefachkräften zusammen. Aktuelle Berichte und Analysen aus den Hirntumor-Studienzentralen sowie studienübergreifende Themenblöcke waren Ausgangspunkt eines intensiven interdisziplinären Dialogs. Neuropädiatrische und neurochirurgische Aspekte bildeten in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt.

 

Re-Operation in der Rezidivsituation immer häufiger befürwortet

Unter anderem wurde über Stellenwert, Risiken und Nutzen einer Re-Operation in der Rezidivsituation berichtet. Vor dem Hintergrund des gegenüber Primäreingriffen oft geringeren Risikos bei Folgeeingriffen und der zunehmenden Relevanz einer molekularen Charakterisierung der Tumoren kommt eine Re-Operation auch bei pädiatrischen Patienten immer häufiger in Betracht. Vor allem bei einer ungünstigen Prognose kann die zusätzliche Gewebeuntersuchung mit Option einer individualisierten Therapie, etwa im Rahmen der INFORM-Studie, die Behandlungsmöglichkeiten verbessern. Zielgerichtete Therapien sollen vermehrt im Rahmen klinischer Phase-I/II-Studien erfolgen.

Weitere Vorträge zu neurochirurgischen Themen widmeten sich beispielsweise der Behandlung und Verlaufskontrolle tumorbedingter Liquorzirkulationsstörungen oder minimalinvasiver Therapiemöglichkeiten von Zysten bei jungen Patienten mit einem Kraniopharyngeom.

 

Bedeutung der molekularen Neuropathologie nimmt stetig zu

Im Hinblick auf die laufenden Therapieoptimierungsstudien bleibt festzuhalten, dass der molekularen Neuropathologie eine wachsende Bedeutung zukommt. Die molekulare Diagnostik zur Bestimmung  von Tumorsubgruppen und medikamentös angreifbaren Zielstrukturen wird künftig immer häufiger zu den Einschlussvoraussetzungen klinischer Studien gehören (z.B. in den Studien PNET-5-MB, I-HIT-MED-Register, SIOP-Ependymom-II, HIT-REZ-Register). Dies erfordert eine entsprechende Logistik bei der Gewinnung und Asservierung des erforderlichen Probenmaterials. Ein Einschluss in die deutschlandweite MNP2.0-Studie wird von allen Experten empfohlen. Dabei handelt es sich um eine parallel zur etablierten referenzpathologischen Begutachtung durchgeführte molekulare Tumorklassifikation mittels DNA-Methylierungsanalyse sowie Gensequenzierungen.

 

Aktuelle Studien

Zur Therapie junger Kinder mit Medulloblastom (MB) ist eine zweiarmige, randomisierte Studie geplant,  welche den Nutzen einer intraventrikulären Gabe von Methotrexat bei Patienten mit geringerem Risikoprofil (SHH-MB) untersucht; bei Patienten mit Hochrisikofaktoren (Gruppe 3/4-MB) ist der Vergleich einer Einmal- mit einer Tandem-Hochdosischemotherapie vorgesehen.

 

Die Studie SIOP-Ependymom II wird in Kürze in Deutschland zur Rekrutierung geöffnet. Bei allen Studienteilnehmern soll die molekulare Subgruppe bestimmt werden. Patienten, die nicht in einen der Therapiearme eingeschlossen werden können, sollten nach möglichst kompletter Resektion (bzw. Evaluation einer möglichen Re-Operation) eine lokale Strahlentherapie erhalten.

 

Hochgradige Gliome (HGG) im Kindes- und Jugendalter gehen nach wie vor mit einer schlechten Prognose einher. Um diese Situation zu verbessern, überprüft die Studie HIT-HGG-2013 neue Therapiekonzepte bei der Erstdiagnose und nach Rückfällen. Die Patientenrekrutierung wird voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2017 starten. Die randomisierte Studie untersucht bei Patienten über 3 Jahren mit einem höhergradigen Gliom die Therapieeffizienz und Verträglichkeit von Valproinsäure (VPA) und Chloroquin (CQ) jeweils zusätzlich zur Radiochemotherapie mit Temozolomid.

 

Die Pilotphase der HIT-HGG-Rez-Immunovac-Studie, welche eine Vakzinierung mit dendritischen Zellen bei Kindern und Jugendlichen mit Glioblastom-Rezidiv untersucht, erbrachte vielversprechende Ergebnisse.  Die Studie wird in Kürze mit der Patientenrekrutierung beginnen.

 

© 05.04.2017 bjdr, Deutsche Hirntumorhilfe e.V.

 
 

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