Hirntumor-Informationstag 2018


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Hirntumor-Informationstag 2018

HIT-Tagung

Veranstaltung für Mediziner und betroffene Familien

Das Behandlungsnetzwerk HIT für Kinder und Jugendliche mit Hirntumoren lud am 09. und 10. März zur Jahrestagung an die Universität Augsburg ein. Neben den Fortbildungsvorträgen und Berichten zum aktuellen Stand ausgewählter Therapiestudien sah die Veranstaltung auch ein umfangreiches gemeinsames Programm für alle teilnehmenden Familien und Fachleute vor. Zudem fanden parallel zum Fachprogramm zahlreiche Workshops zu verschiedenen Themen für Patienten und Eltern statt.

Von der Ursachenforschung zu neuen Therapieansätzen

Das Wissen über die Mechanismen der Tumorentstehung kann einen wichtigen Beitrag zur effektiven Therapie leisten. Prof. Katharina Wimmer, Division Humangenetik der Medizinischen Universität Innsbruck, informierte über zwei Formen eines Tumordispositionssyndroms kindlicher Hirntumoren: So kann etwa eine genetische Abweichung im Rahmen einer Neurofibromatose Typ 1 (NF1) durch die Veränderung eines bestimmten Signalweges der Zellen zur Entstehung niedriggradiger Gliome (NGG) führen. Da NF1-assoziierte NGG darüber hinaus selten genetische Abweichungen haben, weisen Sie kaum ein Risiko für eine Malignisierung auf.

Das sehr seltene Tumordispositionssyndrom CMMRD dagegen beruht auf dem Unvermögen aller Körperzellen, Fehler bei der DNA-Replikation im Zuge der Zellteilung zu korrigieren. Die Patienten haben dadurch ein deutlich erhöhtes Risiko, an höhergradigen Gliomen zu erkranken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hirntumoren im Kindesalter weisen Tumoren von CMMRD-Patienten ungewöhnlich viele genetische Veränderungen auf. Eine solche höhere Mutationslast könnte jedoch im Hinblick auf immuntherapeutische Ansätze auch nutzbar gemacht werden.

Bedeutung Molekulare Marker wächst

Prof. Matthias Eyrich von der Universitätsklinik Würzburg thematisierte verschiedene Ansätze der Immuntherapien bei  Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. Vorgestellt wurden aktuelle Konzepte wie therapeutische Vakzine, Checkpoint-Inhibitoren sowie gentechnisch modifizierte T-Zellen (CAR-T-Zellen).Seit Februar 2018 rekrutiert die HIT-HGG-Rez-Immunovac-Studie. In dieser Phase I/II-Studie erhalten Kinder und Jugendliche mit Rezidiv eines hochgradigen Glioms eine Behandlung mit patienteneigenen dendritischen Zellen und metronomischem Cyclophosphamid.

Durch die fortschreitenden Möglichkeiten einer differenzierten molekularen Charakterisierung und Subklassifizierung der Hirntumoren könnten Therapien besser an individuelle Voraussetzungen der Patienten angepasst werden. Als Register und interventionelle Studie steht LOGGIC exemplarisch für eine entsprechende Ausrichtung zukunftsweisender Studienkonzepte.

In der von Prof. Olaf Witt, Hopp Kindertumorzentrum am NTC Heidelberg, und Dr. Pablo Hernáiz Driever, pädiatrische Neuroonkologie Charité Berlin, geleiteten Studie können Kinder und Jugendliche mit einem niedriggradigen Gliom eingeschlossen werden. Vorgesehen ist eine Randomisierung in die Behandlungsarme einer kombinierten Chemotherapie mit Carboplatin + Vincristin gegen eine Monotherapie mit Vinblastin oder dem MEK-Inhibitor Trametinib. Dem Einschluss in die Studie geht eine molekulare Charakterisierung aller Patienten voran, um Biomarker für den Krankheitsverlauf und den therapeutischen Nutzen zu etablieren. Weiterhin werden bestimmte neurologische Funktionen und das Sehvermögen der Patienten im Langzeitverlauf überprüft.

Auch in der Studie SIOP PNET MB für Kinder und Jugendliche mit Medulloblastom, in die bereits mehr als 120 Patienten eingeschlossen wurden, wird die Bestimmung der molekularen Subgruppe fortan auch mittels DNA-Methylierungsanalyse verpflichtend.

Entscheidungsfindung – Herausforderung für Mediziner und Eltern

Eine exaktere Diagnostik, wachsendes Verständnis der Biologie von Hirntumoren sowie neue Behandlungsansätze sind erfreuliche Fortschritte, von denen Patienten zunehmend profitieren.
Trotz oder gerade aufgrund dieser Entwicklungen ist es jedoch sowohl für Kliniker als auch junge Patienten und ihre Familien mitunter extrem schwer, in einer gegebenen Situation zu einer notwendigen Entscheidung zu kommen.

Insofern verfolgten alle Teilnehmer des gemeinsamen Themenblocks gespannt den Vortrag von Prof. Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zur Frage „Wie trifft man schwierige Entscheidungen?“ Eine Möglichkeit besteht darin, alle Pro-und Kontra-Punkte aufzulisten und gegeneinander abzuwägen. Allerdings sind die gegenübergestellten Aspekte oft gar nicht vergleichbar. Dazu kommt, dass in einem begrenzten Zeitrahmen niemals alle möglichen Einflussfaktoren erkennbar sind. Wichtig ist daher ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten, Angehörigen und behandelnden Ärzten, welches eine gemeinsame Entscheidungsfindung trägt.

Mit diesem Panel unterstrich die HIT-Tagung, dass aktuelle Informationen, gemeinsame Diskussionen und ein intensiver Erfahrungsaustausch aller Beteiligten ineinandergreifen müssen, um schwierige Entscheidungen im Sinne der Patienten zu treffen.

 

 

© 13.03.2018 bjdr, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de

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