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DGNC-Jahrestagung 2020

Die 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) fand dieses Jahr erstmals als virtuelle Veranstaltung statt. Trotz der ungewohnten Umstände nahmen vom 21. bis 24. Juni 2020 etwa 1.500 Teilnehmer an dem wissenschaftlichen Kongress teil. Zusammen mit der Japanischen Gesellschaft für Neurochirurgie wurde ein umfassendes Programm aus über 600 Beiträgen in kapp 60 Sitzungen sowie 20 ePoster-Sitzungen erarbeitet.

 

Im Fokus der diesjährigen Tagung standen u.a. Fortschritte bei der interdisziplinären Behandlung spinaler und zerebraler Metastasen, die funktionelle Neurochirurgie und die Zukunft Künstlicher Intelligenz in der Neurochirurgie.

 

Eine der ersten Sitzungen widmete sich der großen Gruppe der Gliome. Eine retrospektive Untersuchung einer unizentrischen Patientengruppe ging dabei der Frage nach, wie man ältere Glioblastompatienten  (älter als 75 Jahre) am besten behandeln sollte. Insgesamt 144 Patienten wurden in die Betrachtung einbezogen, von denen 36 Fälle operiert worden waren, die anderen 108 nur biopsiert. Die Prognose der Patienten ohne weiterführende Behandlung war deutlich schlechter als die der Patienten, die entweder eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie erhielten. Die Analyse zeigte auch, dass der Karnofsky Performance Score für den Allgemeinzustand der Betroffenen, eine erfolgte Operation und ein methylierter MGMT-Promotor mit einer signifikant besseren Prognose einherging. Die Autoren der Untersuchung kamen zu dem Schluss, dass auch Patienten mit über 75 Jahre von einer multimodalen Behandlung einschließlich mikrochirurgischer Tumorentfernung profitieren und alle denkbaren Behandlungsoptionen in der klinischen Praxis sorgfältig diskutiert werden sollten.

 

Eher experimenteller Natur war eine Untersuchung zum Mutationsstatus des TERT-Promoters in diffusen IDH-Wildtyp (IDH wt) Gliomen. Diese Tumoren der Grade II-IV werden allgemein mit schlechten Ergebnissen in Verbindung gebracht, obwohl der IDH wt-Status keine schlechte Prognose bei allen glialen Tumoren rechtfertigt. Weitere molekulare Stratifizierung der IDH-wt Gliome nach TERT-Promotor-Mutationsstatus, EGFR-Amplifikation und Chromosom-7/10-Status sind in der Vergangenheit vorgeschlagen worden, da diese Veränderungen einen ungünstigen klinischen Verlauf vorhersagen. Andererseits scheinen sich bestimmte Untergruppen von diffusen IDH-Gliomen, denen diese molekularen Veränderungen fehlen, weniger aggressiv zu verhalten. Daher untersuchten zwei Zentren IDH wt Gliome der WHO-Grad II und III hinsichtlich ihres TERT-Promotor-Mutationsstatus. Insgesamt 126 Tumoren wurden einbezogen, eine TERT-Promotor-Mutation (p-mut) wurde bei 38 von 68 Grad-II- und 38 von 58 Grad-III-Gliomen beobachtet. Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass bei  den WHO-Grad-II-Gliomen die prognostische Wirkung des IDH-Wildtyp-Status vom Mutationsstatus des TERT-Promotors abhängt. IDH wt TERT p-wt Gliome zeigten einen günstigeren klinischen Verlauf und weisen entgegen der IDH wt TERT p-mut Gliome eine längere Zeit zur Malignisierung auf.

 

Wiederum praxisrelevanter waren zwei Arbeiten zur Vorhersage des weiteren Erkrankungsgeschehens bei Meningeomen. Die eine Untersuchung betrachtete retrospektiv bei 939 Meningeomen der WHO-Grade I bis III das Rezidivrisiko und verglich die Vohersagekraft zum einen des postoperativen Tumorvolumens, zum anderen der Klassifikation nach Simpson. Als Ergebnis konnte nach einem medianen Follow-up von 40 Monaten festgehalten werden, dass das postoperative Tumorvolumen bei der Vorhersage eines Tumorrezidivs im Vergleich zur Simpson-Klassifikation überlegen ist. Dabei stieg das Risiko eines Meningeomrezidivs mit jedem verbleibenden Restgewebe. Die zweite Arbeit untersuchte den Nutzen des präoperativen MRTs zur Abschätzung des Risikos für eine Grad II/III-Histologie und die Rezidiventwicklung bei Meningeompatienten. Insgesamt wurden die präoperativen MRT-Bilder von 565 Patienten in die Untersuchung einbezogen und hinsichtlich bestimmter Charakteristika, wie Tumor- und Ödemvolumina, Kontrastmittelaufnahme oder Lokalisation analysiert. Als potentielle Risikofaktoren für ein höheres Grading der Meningeome konnten das peritumorale Ödemvolumen, eine heterogene Kontrastmittelaufnahme und eine irreguläre Tumorform ausgemacht werden

 

Dem Behandlungskonzept sekundärer Hirntumoren widmete sich eine Untersuchung zweier Zentren, die den Einfluss der neurochirurgischen Entfernung auf den klinischen Zustand, die weiterführende Therapie und die Prognose von Patienten mit Hirnmetastasen zeigten. Zwischen 2012 und 2019 wurden retrospektiv insgesamt 806 Patienten mit Hirnmetastasen aufgrund ganz unterschiedlicher Primärtumoren zusammengetragen, wobei die Betroffenen mindestens eine, in fast einem Viertel der Fälle aber auch mehrere Hirnmetastasen hatten. Alle Patienten wurden operiert, 624 erhielten postoperativ eine Strahlentherapie, 372 eine systemische Behandlung. Die Behandlungsentscheidung hing mit dem postoperativen klinischen Status zusammen, der durch die Operation signifikant verbessert wurde: der mediane präoperative Karnofsky Performance Score von 80 stieg nach der Operation auf 90 an. Als Ergebnis dieser Untersuchung wurde festgehalten, dass die neurochirurgische Resektion symptomatischer Hirnmetastasen den klinischen Status der Betroffenen verbessert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine weiterführende Behandlung zu einem verlängerten Überleben führt.

 

© 25.06.2020 mst, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de