Hoffnung erlaufen

Laufen für die Hoffnung – und die eigene Genesung

Das Laufen begleitet Melanie schon ihr ganzes Leben lang, bereits als Kind liebte sie Ausdauerlauf und Sprint. Mit etwa Ende 20 erwachte bei der Kommunikations- und Sprechtrainerin das Interesse an ambitionierten Läufen. Zunächst war es nur ein Ausgleich zu ihrer Arbeit, irgendwann begann Melanie auch an Volksläufen wie Halbmarathons und Treppenläufen teilzunehmen.

 

 

Spätestens mit dem Herbstwaldlauf Bottrop Ende 2018, den ersten 25-Kilometer-Lauf der ambitionierten Hobbyläuferin, war das nächste Ziel Marathon gesetzt – schon im Folgejahr sollte es soweit sein.

 

Doch dann kam alles anders als geplant. Nach einer Geschäftsreise im Mai 2019 kippte Melanie in ihrer Küche mit einem epileptischen Anfall ohne irgendwelche Vorzeichen einfach um. Sie kam sofort ins Krankenhaus, wo die Ursache ihres Anfalls schnell gefunden wurde: ein Tumor, ausgerechnet im Sprachzentrum. Für die in ganz Deutschland tätige selbstständige Sprecherin und Erzählerin glich die Diagnose einer Katastrophe. In einer Wach-Operation wurde der Tumor entfernt, während des Eingriffes artikulierte Melanie Zungenbrecher, rezitierte aus Kinderbüchern und machte Mundmotorikübungen. Auch wenn es zunächst so schien, als ob das Oligodendrogliom Grad II komplett entfernt worden wäre, folgten für die 40jährige über mehrere Monate weitere Therapien. Winzige Tumorreste wurden erst bestrahlt und anschließend mit einer Chemotherapie behandelt. In dieser Zeit waren Auren, Schwindel und Übelkeit sowie die Angst vor dem nächsten Anfall Melanies ständige Begleiter: „Ich verkroch mich im Bett. Mein Leben lang war ich mutig, nun konnte und wollte ich mental nicht mehr laufen.“

 

Aufgebaut und zum Laufen animiert wurde Melanie immer wieder von ihren behandelnden Ärzten. „Sie müssen laufen und Vitamin D tanken“, ermahnte sie die Neurochirurgin. Auf ihre Frage, was zum Gelingen der Chemotherapie beitragen könne, bekam sie die Antwort: „Bewegung ist gut für das Immunsystem, besonders an der frischen Luft.“ Auch wenn Melanie zwischenzeitlich das Wort „Laufen“ nicht mehr hören konnte, begann sie trotz aller Nebenwirkungen wieder mit den ersten Spaziergängen. Anfangs waren es nur 200 Meter, im vorweihnachtlichen Dezembergrau bereits ein halber Kilometer.

 

Über das Hirntumorforum der Deutschen Hirntumorhilfe knüpfte sie enge Kontakte zu anderen Betroffenen, tauschte Mutmacher-Mails aus und holte sich Tipps für den Alltag. Auch Stefan Dunkel gehörte zum Kreis ihrer Kontakte, ermutigte sie nach den überstandenen Therapien auch wieder zu laufen und berichtete von dem geplanten Benefizlauf im April in Leipzig. Wenigstens aus der Ferne wollte Melanie die Aktion „Laufen gegen Hirntumore“ unterstützen, ging daher seit Weihnachten nun täglich immer längere Strecken spazieren.

 

„Jeden Tag im April habe ich dabei an die anderen Läufer gedacht. Ich bin stramm spazieren gegangen, habe Dankbarkeit für diese Gemeinschaft empfunden. Jeder Tag des Laufens hat ein wenig Hoffnung gebracht“, fasst Melanie ihre Gedanken zusammen. Auf insgesamt 87,9 gelaufenen Kilometer ist Melanie im April gekommen – für sich und ihr Wohlbefinden, aber auch für all die anderen Hirntumorpatienten. „Ich wünsche mir, dass diejenigen, die nicht laufen konnten, von jedem unserer Schritte partizipieren können und wir für sie ein wenig Hoffnung mit erlaufen konnten. Für alle anderen wünsche ich mir, dass sie am 8. Juni eine graue Schleife tragen, weil das Leben bunt ist.“

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