News - Radioimmuntherapie beim Glioblastom

Radioimmuntherapie als Erhaltungstherapie beim Glioblastom

Demnächst startet in Deutschland eine Studie, die als Erhaltungstherapie für neudiagnostizierte Glioblastome konzipiert ist. Hierbei sollen Patienten mittels Radioimmuntherapie behandelt werden. Studienziele sind die Bestimmung der maximal verträglichen Dosis und die patientenspezifischen Dosimetrie der fraktionierten intrakavitären Radioimmuntherapie mit Lutetium-177-markierten 6A10-Fab-Fragmenten nach Standardbehandlung. Bei dieser Therapie wird Carboanhydrase XII adressiert, die fast ausschließlich auf Glioblastomzellen, nicht aber im gesunden Gewebe exprimiert ist.

 

Aufgrund ihres schnellen Wachstums benötigen Tumorzellen überdurchschnittlich viel Energie. Dieser Bedarf wird zum überwiegenden Teil über Glykolyse gedeckt, was innerhalb der Zelle zur Entstehung von sauren Stoffwechselprodukten führt. Um einer Übersäuerung und damit Vergiftung entgegenzuwirken, müssen Tumorzellen effizient Säure exportieren. Dies geschieht durch komplexe Regulationsprozesse, an denen u.a. Carboanhydrase XII (CA XII) beteiligt ist. Aus diesem Grund ist dieses Enzym auf vielen Arten von Tumorzellen überexprimiert und stellt somit ein vielversprechendes Zielmolekül für nuklearmedizinische Ansätze in Diagnostik und Therapie dar.

 

In der Untersuchung kommt das 6A10 Fab Fragment zur Anwendung, da dieses spezifisch an CA XII bindet, wodurch es als Trägermolekül eines radioaktiven Nuklides qualifiziert ist. Vorangegangene in-vivo und in-vitro Untersuchungen des 6A10 Fab in Hinblick auf zukünftige Anwendungen zeigten vielversprechende Ergebnisse. Durch die Radiomarkierung mit Lutetium-177 konnte im systemisch verabreichten Maus-Xenograft-Modell eine moderate Tumoranreicherung und eine ausreichende radiochemische Stabilität unter physiologischen Bedingungen nachgewiesen werden. Zusätzlich dazu zeigte die mangelnde Anreicherung im Gehirn, dass das Radiokonjugat die Blut-Hirn-Schranke nicht passiert.

 

In der Phase-I-Studie sollen die Lu-177 markierten 6A10-Fab-Fragmenten nun via Ommaya-Reservoir in die Resektionshöhle appliziert werden. So gelangt die therapeutische Substanz direkt zum Ziel, wo sie selektiv die CA XII exprimierenden Glioblastomzellen zerstören kann. Noch ist kein genauer Studienstart bekannt, die Behandlung ist aktuell als individueller Heilversuch möglich. Informieren Sie sich beim Hirntumor-Informationsdienst unter der Telefonnummer 0341.590 93 96, wo sich das nächste Hirntumorzentrum befindet, welches sich an dieser Untersuchung beteiligt.

 

© 15.10.2021 mst, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de

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