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News 02.02.2021

Neue Therapie für sekundäre ZNS-Lymphome

Sekundäre ZNS-Lymphome (SZNSL) sind seltene, aber sehr aggressive Tumoren und können sich bei Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom entwickeln. Die Behandlung von SZNSL ist noch nicht genau definiert, frühere kleinere Studien haben jedoch gezeigt, dass eine hochdosierte Chemotherapie wirksam sein kann.

In der internationalen MARIETTA-Studie haben Forscher nun in vier Ländern 24 Zentren eingeschlossen, was die Untersuchung zur größten Studie macht, die bisher zum sekundären ZNS-Lymphom durchgeführt worden ist. Ziel der einarmigen Phase-II-Studie war es, die Effektivität und Sicherheit einer intensiven Chemo-Immuntherapie, gefestigt durch eine autologe Stammzelltransplantation (HSCT), bei Erwachsenen im Alter von 18-70 Jahren zu untersuchen. Die Patienten erhielten eine Kombination aus einer Chemo- und einer Immuntherapie, die als MATRix- und RICE-Schema bekannt sind.

Insgesamt 75 Betroffene mit histologisch gesichertem, diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom und ZNS-Beteiligung wurden untersucht und ausgewertet: 32 Patienten (43 %) erhielten die Diagnose, als sich ihr Lymphom bereits auf das Gehirn oder die Wirbelsäule ausgebreitet hatte, 43 Patienten (57 %) waren zuvor wegen eines Lymphoms behandelt worden und die Krankheit hatte sich erst ins ZNS ausgebreitet, nachdem der Tumor zurückgekehrt war.

Die Behandlung umfasste drei Kurse MATRix (Rituximab, Methotrexat, Cytarabin, Thiotepa), gefolgt von drei Kursen RICE (Rituximab, Etoposid, Ifosfamid, Carboplatin), sowie Carmustin-Thiotepa und autologer HSCT. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben nach einem Jahr. Gesamt- und komplette Ansprechraten vor autologer HSCT, Dauer des Ansprechens, Gesamtüberleben und Sicherheit waren sekundäre Endpunkte.

Ein Jahr nach Studienbeginn waren 42 Patienten progressionsfrei mit einem progressionsfreien 1-Jahres-Überleben von 58 % (95 % CI 55-61) für die gesamte Patientenpopulation und 100 % (100-100) für die Patienten, die eine Stammzelltransplantation erhalten hatten. 49 Patienten (65%; 95% CI 54-76) zeigten ein objektives Ansprechen nach MATRix-RICE, davon 29 (39%) ein komplettes Ansprechen. 37 der 49 Patienten, die auf MATRix-RICE ansprachen, bekamen eine autologe HSCT.

Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 29 Monaten (IQR 20-40) waren 35 (47 %) der 75 auswertbaren Patienten progressionsfrei. Das progressionsfreie 2-Jahres- Überleben betrug 46 % (95 % CI 39-53) für die gesamte Patientenpopulation und 83 % (82-84) für Patienten mit Stammzelltransplantation. Diejenigen, deren Lymphom sich bereits bei der Erstdiagnose auf das Gehirn oder die Wirbelsäule ausgebreitet hatte, sprachen weitaus besser auf die Behandlung an als jene Patienten, die wegen eines Lymphoms schon vorbehandelt worden waren.

Insgesamt traten bei 56 % der Patienten schwerwiegende Nebenwirkungen auf. Grad 3-4-Toxizitäten wurden am häufigsten im hämatologischen Bereich beobachtet: Neutropenien bei 46 Patienten (61%), Thrombozytopenien bei 45 Patienten (60%) und Anämien bei 26 Patienten (35%). Vier Patienten verstarben aufgrund einer durch Bakterien verursachten Sepsis (behandlungsbedingte Mortalität 5 %; 95 % CI 0-07-9-93).

Die Ergebnisse der MARIETTA-Studie deuten darauf hin, dass dieses Behandlungsprogramm das Überleben von Patienten mit SZNSL deutlich verbessern könnte. Dabei ist zu berücksichtigen, ob die Patienten vor der Entwicklung des sekundären ZNS-Lymphoms bereits behandelt worden sind – noch nicht vorbehandelte Patienten zeigten ein deutlich besseres Ansprechen als es in zurückliegenden Untersuchungen zu dieser seltenen Hirntumorart bisher gezeigt werden konnte.


© 02.02.2021 mst, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de

Quelle

Ferreri A, Doorduijn J, Re A et al. MATRix–RICE therapy and autologous haematopoietic stem-cell transplantation in diffuse large B-cell lymphoma with secondary CNS involvement (MARIETTA): an international, single-arm, phase 2 trial. The Lancet Haematol Febr 2021;8(2):e110-e121. doi: 10.1016/S2352-3026(20)30366-5

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