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News - Wirkung von Cannabidiol entschlüsselt

Wirkmechanismus von Cannabidiol aufgeklärt

Die Substanz Cannabidiol ist ein weit verbreitetes Nahrungsergänzungsmittel und wird unter anderem zur Therapie von entzündungsbedingten Erkrankungen eingenommen. Nun haben Münchner Forscher Beweise für den tumorbekämpfenden Effekt von hochreinem Cannabidiol in grundlagenwissenschaftlichen Modellen für Glioblastomzellen nachgewiesen. Das Team um Studienleiter Prof. Dr. Rainer Glaß von der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum München in Großhadern hat darüberhinaus den Wirkmechanismus aufgeklärt.

 

In einer Laborstudie mit Gliomzellen der Maus hatten die Wissenschaftler beobachtet, dass der Transkriptionsfaktor NFκB durch das nicht-psychotrope Cannabidiol (CBD) in einen Tumorsuppressor umgewandelt werden kann. Als Folge davon kam es zum zellulären Selbstmord der Tumorzellen. NFκB kommt in praktisch allen Zelltypen und Geweben vor und treibt die Neubildung und das Wachstum vieler Krebsarten an, einschließlich primärer Hirntumoren wie dem Glioblastom. Eine präzise therapeutische Regulierung der NFκB-Aktivität kann zentrale onkogene Signalwege unterdrücken, aber klinisch anwendbare Wirkstoffe zur Erreichung dieses Ziels waren bisher schwer zu finden.

 

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forscher an einem größeren Satz menschlicher, stammzellähnlicher Glioblastomzellen die Anti-Tumor-Effekte eines CBD-Fertigarzneimittels, das in der pädiatrischen Neurologie als Antiepileptikum eingesetzt wird. Auch hier waren die Beobachtungen ähnlich: Innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Gabe des Cannabidiols starben die meisten Glioblastomzellen ab. Damit habe man eindeutige Beweise für den tumorbekämpfenden Effekt von hochreinem CBD bei zumindest einigen dieser bösartigen Hirntumoren, so die Wissenschaftler. Allerdings gab es auch Tumoren, die therapeutisch nicht ansprachen; Tests ergaben, dass offenbar nur bestimmten Typen von Glioblastomzellen auf das Cannabidiol reagierten.

 

Nach Ansicht der Wissenschaftler wecken die Ergebnisse dennoch die Hoffnung, dass sich zumindest einige Glioblastomformen mit hochreinem Cannabidiol behandeln lassen könnten. Die Erkenntnisse dieser Grundlagenforschung deuten auf eine vielversprechende Repurposing-Option für die Glioblastomtherapie hin, so die Forscher. Unter Drug Repurposing versteht man die Verwendung bewährter, bereits zugelassener Medikamente für neue Behandlungsfelder.

 

Der nächste Schritt wäre nun, hochreines Cannabidiol in einer klinischen Studie an Glioblastompatienten zu testen. Die Vorzeichen für eine klinische Erprobung sind gut. Zum einen gibt es bereits ein von den Zulassungsbehörden hinsichtlich seiner Sicherheit abgesegnetes CBD-Fertigarzneimittel, zum zweiten dringt die Substanz gut ins Gehirn ein, was nur wenige Wirkstoffe überhaupt schaffen.

 

Bis Ergebnisse aus dieser wichtigen Studienphase vorliegen, sollten Patienten aber davon absehen, nun irgendwelche handelsüblichen CBD-Präparate in der Hoffnung auf eine krebshemmende Wirkung einzunehmen. „Man weiß nie, was man da bekommt, wenn man an Reinheit, Zusammensetzung und Konzentration des Wirkstoffes denkt", warnen Glaß und seine Kollegen.

 

© 18.05.2021 mst, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de

Quelle

Glass R, Volmar M, Cheng J et al. Cannabidiol converts NFκB into a tumor suppressor in glioblastoma with defined antioxidative properties. Neuro Oncol. 2021;noab095. doi: 10.1093/neuonc/noab095

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